Mehrmals im Jahr schreckt eine Nachricht die Menschen in der Region Hannover auf: Bombe gefunden! Immer wieder müssen dann die Experten der Kampfmittelbeseitigung ausrücken, um die gefährlichen Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg zu entschärfen. Aber was machen die Bombenräumer eigentlich dort, wo während einer Evakuierung niemand mehr hin darf? Welche Technik setzen sie gegen die zentnerschweren Sprengkörper ein? Und muss es eigentlich immer so weit kommen?

Die Gefahr unter der Erde

Immer wieder müssen die Experten der Kampfmittelbeseitigung ausrücken, um gefährliche Blindgänger aus dem Weltkrieg zu entschärfen. Aber was machen die Bombenräumer eigentlich dort, wo während einer Evakuierung niemand mehr hin darf? Welche Technik setzen sie gegen die Sprengkörper ein? Und muss es eigentlich immer so weit kommen?

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Luftangriffe flogen die Allierten auf Hannover.

Kilogramm wogen die schwersten Bomben. Zigtausende davon wurden abgeworfen.

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der Sprengkörper bohrten sich metertief in den Boden ohne zu explodieren.

Hannover – Leben auf dem Pulverfass

Sie liegen seit 70 Jahren unentdeckt im Erdreich – doch die Gefahr, die von ihnen ausgeht, ist brandaktuell. Die Bedrohung durch hochexplosive Blindgänger ist in der Region Hannover allgegenwärtig. Allein 2014 mussten fast 40.000 Menschen bei fünf Bombenräumungen ihre Wohnungen verlassen. Meist gibt es dabei keine oder überschaubare Schäden. Wie gefährlich die Blindgänger aber noch immer sind, zeigte die Explosion einer Bombe in Göttingen, bei der 2010 drei Menschen ums Leben kamen.

Wer entscheidet eigentlich, ob eine Bombe entschärft werden kann oder ob gesprengt werden muss? Wie funktioniert so eine Weltkriegsbombe überhaupt? Und warum werden die Blindgänger immer nur zufällig entdeckt? In unserem neuen multimedialen Dossier erhalten Sie Antworten. Wir zeigen Ihnen die Bombentechnik in einer Animation, berichten über Zahlen, Daten und Fakten und nehmen Sie im Video mit ins Munitionslager der Kampfmittelräumer.

So funktioniert die Technik der Bomben

https://vimeo.com/133736352

Sprengen oder entschärfen?

So verläuft eine Bombenräumung

„Alle raus aus ihren Wohnungen“: Unterwegs mit der Hubschrauberstaffel

Am Ende einer Evakuierung fliegen die Einsatzkräfte der Zentralen Polizeidirektion Niedersachsen mit der Wärmebildkamera über das Gebiet.
https://vimeo.com/133695229

„Die Gefahr der Selbstdetonation steigt.“

Sieben Fragen an einen Bombenexperten

PROF. DR.-ING. WOLFGANG SPYRA ist ehemaliger Dozent am Institut für Altlasten an der Universität Cottbus.

Herr Spyra, leben Großstädter auf einem Pulverfass?

Das kommt darauf an, wie gefährdet ein Wohngebiet ist. Hatten die Allierten ein strategisches Interesse, genau diese Gegend zu bombardieren, ist es wahrscheinlich, dass dort noch Blindgänger liegen. Je nachdem, wie stark einzelne Gebiete bombardiert wurden, kalkulieren wir mit bis zu 15 Prozent Sprengmaterial, das nicht explodiert ist.

Aber seit Kriegsende ist doch schon viel entschärft worden...

Das stimmt, aber auf deutscher Seite ist zwangsläufig schlechter dokumentiert worden, wie viele Bomben fielen und wie viele Blindgänger unschädlich gemacht wurden. In den letzten Kriegsjahren ging es ja vorrangig darum, die kriegswichtige Infrastruktur aufrecht zu erhalten. Da wurde vorrangig an logistischen Zentren wie Bahnhöfen, Zugstrecken oder Flughäfen gesucht und Blindgänger entschärft. Zu der Zeit gab es viele unterschiedliche Entschärfungskommandos, teilweise wurden auch Häftlinge aus Gefängnissen und KZs angelernt und zu Entschärfungen eingesetzt. Aber das sind nur Bruchstücke aus der Entschärfungshistorie. Später wurden dann viele Blindgänger beim Wiederaufbau der Städte zufällig gefunden.
Aber es ist nicht so, dass man im Dunkeln tappen müsste, was die Schätzung der abgeworfenen Bomben angeht. Im Archiv der US-Airforce im Bundesstaat Alabama gibt es zum Beispiel wesentlich präzisere Dokumente über Bombardierungen. Einige davon sind hierzulande noch gar nicht bekannt und sollten ausgewertet werden.

Wie viele unentschärfte Blindgänger vermuten Sie denn noch?

Deutschlandweit gibt es bestimmt noch viele 100.000 unentdeckte Bombenblindgänger und großkalibrige Munition. Und die Gefahr der Selbstdetonation durch Alterungsprozesse wie Korrosion steigt. Das Unglück von Göttingen 2010 etwa, bei dem drei Sprengmeister getötet wurden, kam dadurch zustande, weil eine der Bomben noch vor der Entschärfung von allein explodierte. Einer unverbindlichen Statistik zufolge detonieren pro Jahr in Deutschland eine bis zwei Bomben von selbst, ohne dass sie bewegt oder ausgegraben werden. In den Zündern korrodieren Bauteile, dadurch verliert der Sicherheitsmechanismus im Laufe der Zeit seine Funktion, bis es schließlich zur unkontrollierten Sprengung, der sogenannten Selbstdetonation, kommt. Bei chemischen Langzeitzündern zum Beispiel zerbricht irgendwann das Zelluloidplättchen und gibt den Schlagbolzen frei, der die Sprengladung zum Explodieren bringt. Je nach verwendetem Material sind die Blindgänger jetzt in unterschiedlichen Verfallsstadien. Je älter eine Bombe jedoch wird, desto höher steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sie irgendwann von selbst detoniert.

Gibt es noch andere Wege, Bomben zu finden, als mithilfe von Luftbildern?

Daran wird gearbeitet. Der technische Standard bei der Suche nach Blindgängern ist die ferromagnetische Sondierung. Dabei wird das Gelände auf  ferromagnetisches Material wie Eisen  untersucht. Auch im Einsatz sind das sogenannte Georadar oder andere ein elektromagnetische Verfahren, die den Boden auf Anomalien untersuchen. Dann muss der Kampfmittelräumdienst entscheiden, ob es eine Bombe sein könnte oder nicht. Derzeit arbeiten amerikanische, australische und deutsche Firmen an einer Software, die die Messdaten der Methoden exakter auswerten und recht zuverlässige Angaben dazu machen kann, wie wahrscheinlich es sich bei dem Sender der Signale um einen Blindgänger handelt. Das ist derzeit noch Forschung, die in der Anwendung noch sehr teuer ist. Das gibt aber Anlass zur Hoffnung, Blindgänger künftig zuverlässiger orten zu können.

Bald mehr Bombenräumungen?

Nach jahrelangem Stillstand soll wieder systematisch nach Blindgängern gesucht werden. Eine neue Software zur Luftbildauswertung soll das möglich machen.
https://vimeo.com/133695230

Niedersachsens Landesregierung will in den kommenden Jahren die Suche nach gefährlichen Blindgängern ausweiten. Helfen soll dabei eine neue Software – sie wird derzeit entwickelt und soll die Auswertung von Luftbildern erleichtern. Wenn mehr Weltkriegsbomben gefunden werden, könnte sich in großen Städten wie Hannover die Zahl der Evakuierungen erhöhen. Die systematische Suche nach Blindgängern wurde 2012 vom damaligen Innenminister Uwe Schünemann (CDU) aus Kostengründen eingestellt. Seitdem haben sich sowohl Feuerwehr als auch die Gewerkschaft der Polizei immer wieder für die Wiederaufnahme ausgesprochen – um spontane Räumungen zu vermeiden.

Das Land investiert eine Million Euro in die Entwicklung des neuen Systems zur Luftbildauswertung, das im Jahr 2017 fertig sein soll. Die Software soll in der Lage sein, schneller und effizienter als Menschen die Luftbildaufnahmen auszuwerten, welche die Alliierten nach den Bombenangriffen auf deutsche Städte gemacht haben. Bauanträge von Bürgern könnten dann zügiger bearbeitet und Kommunen schneller mit Informationen versorgt werden, so die Hoffnung. Die Software soll auch dabei helfen, mehr Flächen überprüfen zu können – und so zumindest teilweise wieder den Einstieg in die systematische Suche nach Blindgängern zu schaffen.

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der Blindgänger sind glücklicherweise mit recht simplen Aufschlagzündern versehen.

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der Kampfmittel-Alarmierungen entpuppen sich als Fund relativ harmloser Kleinmunition.

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der Einsätze 2014 in Niedersachsen fanden im Raum Hannover statt.

Luftangriffe auf Hannover

Der Bombenhagel im Zweiten Weltkrieg

So klang Hannover vor dem Bombenkrieg

In der schlimmsten Bombennacht, die Hannover während des Krieges erlebte, wurde die Aegidienkirche am 9. Oktober 1943 zerstört. Doch eine Tonaufnahme ihrer Glocken ist überliefert worden – und bleibt als Mahnmal an den Schrecken des Bombenrieges erhalten.

Hannover liegt in Schutt und Asche

Immer wieder flogen die alliierten Bomber ihre Angriffe auf Hannover. 88 Mal drehten vorwiegend britische Flieger im Zweiten Weltkrieg ihre Runden über der Großstadt und legten weite Teile des bebauten Gebietes in Schutt und Asche. Unter den Überlebenden war einer, der es sich zur Aufgabe machte, die Nachkriegszeit in Hannover fotografisch festzuhalten: Der HAZ-Fotograf Wilhelm Hauschild. (Öffnen Sie die Bilder in voller Größe, um eine Beschreibung der Motive zu lesen.)

Wohin mit dem Schrott?

Ein Teil der entschärften Bomben landet schlicht im Metallschrott – der Rest ist wertvolles Schulungsmaterial für die Kampfmittelräumer.
https://vimeo.com/133695231

Jahre lang sucht Hannover schon nicht mehr systemathisch nach Blindgängern – aus Kostengründen.

Einsatzkräfte sind bei einer größeren Bombenräumung im Einsatz.

Euro sind jährlich für Bombenräumungen eingeplant.