Endlich ein Schulkind!

Mathe, Deutsch und große Pause: Für Zehntausende Kinder in Niedersachsen haben die ersten Tage in der Schule begonnen. Sie sind voller Hoffnung und haben große Erwartungen an die neue Zeit. Aber wie ist das eigentlich so als Schulkind?

Los geht's

Willkommen in der Schule!

Interview ohne Worte

Die HAZ begleitet Magali und Chanel seit ihrer Einschulung. Das war 2011. Jetzt gehen die Mädchen aufs Gymnasium – und sind schon erfahrene Schülerinnen. Den Erstklässlern geben sie in einem Interview ohne Worte Tipps zum Schulstart.

Was sollte man als Erstklässler nie tun?

Wie macht man sich bei den Lehrern beliebt?

Wie bekommt man gute Noten?

Welches ist euer Lieblingsfach?

Tierische Einschulung

Mathe, Deutsch und Sport stehen auch bei Seelöwin Pam und Papagei Lorenzo aus dem Zoo Hannover auf dem Stundenplan. Sie zeigen, dass Lernen viel Spaß macht.

Herr Junker und ich

Lehrer können manchmal ganz schön nerven. Aber eigentlich wollen sie doch nur das Beste für ihre Schüler. Redakteur Simon Benne hat 25 Jahre nach dem Abitur seinen Lieblingslehrer besucht.

Haz-Redakteur Simon Benne (links) trifft nach 25 Jahren seinen Lieblingslehrer Norbert Junker wieder. Der ist inzwischen Schulleiter.

Das Wiedersehen

Das Treppengeländer hängt viel tiefer als damals. Und der Flur zum Lehrerzimmer war früher irgendwie länger. Alles hier scheint kleiner geworden zu sein. Nur die Türen zu den Klassenzimmern sehen noch immer so aus, als würden gleich wir hinaus stürmen, raus auf den Schulhof. Dabei sitzen wir ja längst in irgendwelchen Büros, Kanzleien oder Redaktionen. Wenn man nach 25 Jahren in die Kulissen seiner Jugend zurückkehrt, braucht man oft einen Moment, bis man merkt, dass nicht die Umgebung, sondern dass man selbst sich verändert hat.
Mit seinem rheinischen Lachen begrüßt er mich am Direktorenzimmer, als wäre ich nur kurz in der Großen Pause gewesen:
„Guten Tag, Simon!“
„Guten Tag, Herr Junker!“
„Setz dich!“
Er duzt mich, ich sieze ihn. Das hat seine Ordnung; alles andere käme mir affektiert vor.
„Abi ‘90“, sage ich.
„Ich weiß“, sagt er: „Eure 9c war meine erste Klasse hier.“
Als er 1985 aus Mönchengladbach an die St.-Ursula-Schule nach Hannover kam, war er 29 Jahre alt. Inzwischen ist er Schulleiter, seine Haare sind grauer geworden, und Tausende Schüler haben hier ihr Abi gemacht. Ich bin mir sicher, dass Norbert Junker sich an jeden einzelnen erinnert. Als er damals kam, hatte ich lange Haare und probte den Aufstand. Ich war ein Pädagogen-Albtraum. Eine Mischung aus Rebell und Klassenkasper. Meine damaligen Lehrer haben heute mein aufrichtiges Mitgefühl.

Was mein Lehrer mir beigebracht hat

Er war eigentlich ein bisschen zu konservativ für einen 29-Jährigen. Oft trug er im Unterricht Krawatte, was schon damals selten war. Aber was man tun oder lassen sollte, machte er eben nicht von Mode oder Mehrheitsmeinungen abhängig. Er wurde schnell mein Lieblingslehrer. Vielleicht, weil er uns ernst nahm und weil unsere Neugier in ihm einen Verbündeten fand.
In Deutschunterricht machte er den „Schimmelreiter“ zu meinem literarischen Erweckungserlebnis. In Geschichte brachte er uns bei, dass wir wissen müssen, woher wir kommen, wenn wir wissen wollen, wer wir sind. Etwas verschämt berichtete er – da war er der Wahrheit schuldig – von Goethes Affären. Und in der Literatur-AG schrieb er an die Tafel: „Kunst entsteht aus Ungenügen an der Realität“. Für einen Sekundenbruchteil denke ich noch heute jedes Mal daran, wenn ich ein Buch aufschlage. Die Erkenntnis, dass ein Text der Eingang in eine Gegenwelt sein kann, in einen unendlichen Kosmos, habe ich von ihm. Danke dafür, Herr Junker!

Und heute?

„Die Literatur-AG mache ich immer noch“, sagt er und schenkt Kaffee ein. Im vergangenen Jahr hat er außerdem zwei Leistungskurse übernommen, neben seinem Job als Schulleiter: „Lehrer ist man nur, wenn man unterrichtet“, sagt er fast entschuldigend: „Ich genieße das.“ Aber leiden denn nicht viele Lehrer an ihrem Beruf? Unlust? Burnout? Frühverrentung? Ernst schaut er über seine Brille: „Der Mangel an Resonanz ist schon ein Problem“, sagt er dann.
Ein Maurer sieht am Ende seines Arbeitstages die Mauer, die er gebaut hat. Beim Lehrer ist das anders. Er sät ständig und erntet nie. Wenn er einen Schwung halbfertiger Menschenkinder ins Leben entlassen hat, kommt auch schon der nächste Durchgang. Vielleicht wären weniger Lehrer ausgebrannt, wenn sie wüssten, was aus ihren Schülern wird. Und wenn sie wüssten, wie wichtig sie selbst sind.
Schon ein einzelner hingesagter Satz von ihnen – wie der vom „Ungenügen an der Realität“ – kann sich in Schülerhirnen festsetzen und ganze Weltbilder formen. Das ahnen Lehrer oft nicht, wenn sie vom Kopierer zur Konferenz hetzen: Sie sind es, die darüber entscheiden, was in den Köpfen der nächsten Generation steckt. Was wir denken. Was wir wissen. Was wir wissen wollen. Und ob wir uns etwas zutrauen.

Kein Kumpeltyp

„Als ich am Tag meiner Einschulung nach Hause kam, sagte ich: ,Mama, ich werde Lehrer!’“, sagt Herr Junker mit der Kaffeetasse in der Hand, „und davon bin ich nie abgegangen.“ Ich kenne die Anekdote, er hat sie auch schon 1985 erzählt. Auch nach 30 Jahren gerät er noch ins Schwärmen, wenn er vom Unterrichten spricht: „Da findet etwas Zwischenmenschliches statt“, sagt er: „Pädagogik ist ein Gespräch, und Bildung besteht darin, dass man mental gemeinsam unterwegs ist.“ Man spürt noch immer, dass Herr Junker sich den richtigen Job ausgesucht hat.
Der Lehrerberuf schwebt ja permanent in der Gefahr, dass die falschen ihn ergreifen; dass gute Rechner Mathelehrer werden und gute Lateiner verbeamtete Lateinlehrer. Man unterrichtet aber nicht Mathe oder Latein. Man unterrichtet Schüler. Dazu muss man Schüler mögen. „Ein guter Lehrer muss in seinem Fach aber trotzdem sattelfest sein“, sagt Herr Junker: „Sonst hat er den Kopf nicht frei für seine Schüler.“
Es gibt da das Missverständnis, dass Kumpeltypen die besten Lehrer sind. Damals gab es viele Latzhosenpädagogen, die alles ausdiskutieren wollten. Herr Junker ist kein Kumpeltyp. Nie gewesen. Er war aber auch nicht der letzte Preuße, der sich gerade durch Disziplin die Achtung seiner Schüler erwarb. Er war schon streng. Aber er zeigte uns damit: Es ist nicht egal, was ihr tut. So denkt jemand, der Schüler ernst nimmt.
„Verkumpelung ist den Schülern gegenüber genauso respektlos wie Kasernenhofton“, sagt er heute. Wahrscheinlich macht nicht ein bestimmter Typus den guten Lehrer aus. Sondern eine Persönlichkeit. Gute Lehrer brauchen den Mut, authentisch zu sein. Sie dürfen nicht versuchen, etwas zu sein, das sie nicht sind. „Wer eine Rolle spielt, wird nicht glücklich“, sagt Herr Junker.

Was wurde eigentlich aus...?

Zwei Stunden lang sitzen wir jetzt in seinem Zimmer. Er sagt, dass der Beruf auch anstrengend sei: „Man steht ja ständig vor 30 Augenpaaren auf der Bühne.“ Und er sagt, dass sich seit meiner Zeit hier viel verändert habe: Abschaffung der Orientierungsstufe, Zentralabitur, Schulzeitverkürzung auf 12 Jahre. „Aber die größten Veränderungen sind gar nicht struktureller Art.“
Eltern, sagt Herr Junker, widmeten ihren Kindern heute viel mehr Aufmerksamkeit als früher: „Wenn Fürsorge übergroß wird, können Kinder aber gar nicht mehr lernen, mit Niederlagen und Fehlern umzugehen.“ Er kann davon berichten, dass Familien immer häufiger zerbrechen und wie sehr Kinder darunter leiden. Und er kann von den Dramen berichten, die sich heute in den sozialen Netzwerken abspielen, wo Freundschaften öffentlich verhandelt werden: „Es ist nicht leichter geworden“, sagt er.
Wir plaudern noch ein bisschen. Über den Umbau der Schule und darüber, was aus Sophie oder Andi geworden ist. Dann muss ich los.
„Auf Wiedersehen, Herr Junker.“
„Auf Wiedersehen, Simon.“

Das Du ist geblieben, das Sie auch. Gut so. Natürlich weiß ich, dass auch ein Schulleiter so seine Sorgen hat. Herr Junker ist weder allmächtig noch allwissend. Mein Lieblingslehrer ist er trotzdem. Und ich hänge sehr an der Vorstellung, dass da in meiner alten Schule ein kluger Mann sitzt, der im Zweifel mehr Antworten kennt als ich. Mein Lehrer eben.

 

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Wenn die Pausenklingel läutet, ist Zeit zum Spielen. Hier gibt es ein paar Denksportaufgaben für alle, die im Unterricht noch nicht genug gegrübelt haben.

Rätselecke

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Einfach schlau

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Lies mal!

Lesen lernen ist eines der wichtigsten Dinge, die man in der ersten Klasse lernt. HAZ-Redakteurin Martina Sulner hat Buchtipps für den Schulstart zusammengestellt.

Wieland Freund: „Träum niemals von der wilden Jagd!“. Illustrationen  von Joëlle Tourlonias. Beltz & Gelberg. 232 Seiten, 14,95 Euro. Ab 9 Jahre.

Oliver Scherz; Peter Schössow: „Keiner hält Don Carlo auf“. Thienemann Verlag. 112 Seiten, 9,99 Euro. Ab 8 Jahre.

„Die schönsten Silbengeschichten für Mädchen zum Lesenlernen“ , verschiedene Autoren. Löwe Verlag. 128 Seiten, 5 Euro. Ab 6 Jahre.

Timo Parvela: „Pekkas geheime Aufzeichnungen – Der komische Vogel“. Deutsch von Anu und Nina Stohner. Bilder von Pasi Pitkänen. Hanser Verlag. 104 Seiten, 9,90 Euro. Ab 8 Jahre.

Ulrike Kaup: „Schwein gehabt! Lustige Tiergeschichten“. Bilder von Uta Bettzieche. Arena Verlag. 48 Seiten, 7,99 Euro. Ab 5 Jahre.

Christian Duda: „Elke“. Mit Illustrationen von Julia Friese. Beltz & Gelberg. 160 Seiten, 12,95 Euro. Ab 8 Jahre.

Der Weg durch die Schule

Was die Schulkinder in den kommenden Jahren erwartet, hat auch mit Schulpolitik zu tun. Wir haben zusammengefasst, was auf die Schulstarter zukommen wird.

Und so geht’s: Einfach mit dem Rad der Maus oder den Tasten rechts unten im Bild heranzoomen und schieben.