Per Klick zum Glück?

Diverse Online-Singlebörsen und Smartphone-Apps wie Tinder sind in den vergangenen Jahren zu Alternativen des klassischen Kennenlernens geworden. Aber wer trifft sich online und wie gut funktioniert das Dating im Web?

Hannovers Traumpartner

Dating wie am Fließband

„Es ist eine Lotterie, ein Massengeschäft“

64.000 hannoversche Single zählen die Online-Partnerbörsen. Auch Frank* hofft darauf, sich online zu verlieben. Seit 2007 ist er dort aktiv, doch gefunden hat er seine große Liebe bisher nicht. (*Name geändert)

Begonnen hatte alles, als Frank* gerade die ersten Schritte auf der Karriereleiter erklommen hatte: 2007 wurde er als Rechtsanwalt zugelassen, ein wichtiger Einschnitt in der Juristenlaufbahn. Nur privat lief es nicht so richtig. Dabei hätte Frank gerne jemanden an seiner Seite gehabt. „Als Berufsstarter hat man aber erst einmal wenig Zeit, irgendwo hinzugehen“, erklärt er. Deswegen meldete er sich bei der Online-Partnerbörse Friendscout an.

Der 41-Jährige entspricht dem gängigen Bild eines Juristen. Das dunkelblaue Jacket mit goldenen Knöpfen ist vermutlich maßgeschneidert, das Einstecktuch farblich auf das Hemd abgestimmt, zwei Knöpfe sind leger geöffnet. Die stattliche Figur ist stilsicher kaschiert. Es ist einer der ersten warmen Frühlingstage und er sitzt auf dem Balkon seiner fast 200 Quadratmeter Eigentumswohnung. Dunkle, schwere Holzmöbel bestimmen die Einrichtung, das meiste davon sind Antiquitäten, auch das Ledersofa darf nicht fehlen, ebenso wenig wie die Scherenschnitte und Stiche an den Wänden – Erinnerungen an seine Zeit als Verbindungsstudent. Herkunft und Tradition werden hier besonders gewichtet.

Friendscout war 2007 Franks erster Versuch mit Online-Partnerbörsen. Bei Friendscout richtet man ein Profil unter einem Pseudonym ein. Neben Angaben zur eigenen Person, der Körpergröße etwa oder der Lieblingsliteratur, kann man dort auch schreiben, was den Wunschpartner auszeichnen soll. Über Suchmasken können Mitglieder dann nicht nur nach Wohnort und Alter sondern auch beispielsweise nach Bildungsstand oder Lebensstil gefiltert werden. Kontakt wird über eine Nachricht oder im Chat aufgenommen.

Frank hat sich dort durchgeklickt und geschaut, was von den „hard skills“, wie er es nennt, passt. Vornehmlich meint er damit das Profilbild. Fleißig sei er bei seinem ersten Portal gewesen, zwischen 40 und 50 Frauen habe er dort innerhalb von drei Monaten angeschrieben. „Damit hatte ich den Umkreis Hannover eigentlich abgegrast“, sagt er und man merkt, wie ambitioniert er die Suche nach der richtigen Lebenspartnerin angegangen ist. Die Akribie zahlte sich aus: Er fand dort eine Partnerin, die passte. Das hielt dann allerdings nur zwei Jahre – die Trennung kam überraschend: Karriere sei ihr wichtiger gewesen.

Als „eine Art Therapie“ sah Frank sich erneut im Internet um, dieses Mal bei Elitepartner. Hier sind mit über 30 000 Mitgliedern knapp die Hälfte der Online-Suchenden aus Hannover registriert. „Was das Portal verspricht, spiegelt sich allerdings nicht bei den Mitgliedern wider“, sagt Frank. Zu wenig Akademiker seien dort tatsächlich angemeldet, eher Polizistinnen oder Bürofachangestellte. Mit 40 Jahren entspricht Frank dem dortigen Durchschnittsalter.

Nach Ablauf der Kurzmitgliedschaft wechselte er zur Dating-Plattform Parship. Dort kann man anderen nicht nur Nachrichten schicken, sondern sich auch spielerisch kennenlernen: Fünf Zufallsfragen bieten je vier Antwortmöglichkeiten. Die gleichen Fragen kann man an den Wunschpartner verschicken. Wenn dieser dann fünf Mal dasselbe antwortet, kann der Absender zwischen verschiedenen Antwortmöglichkeiten wählen wie „Dann zahle ich den ersten Kaffee“ oder „Dann zahle ich das erste Abendessen.“ „Allzu witzig war das zwar nicht gehalten, aber ich hab es mit Humor genommen – und es war mal was anderes“, sagt Frank.

Seine nächste Freundin hat er dann allerdings über den Sport kennengelernt. Doch auch diese Beziehung hielt nicht lange, nach einigen Monaten war Schluss. „Wir waren zu unterschiedlich“, sagt Frank heute. Nach einer weiteren Kurzzeitbeziehung hat er es 2014 mit eDarling versucht. Dort wie auch bei Parship müssen die Mitglieder einen sehr ausführlichen Persönlichkeitstest über sich und ihre Vorstellungen beim Partner ausfüllen. Darauf basieren dann die ermittelten Vorschläge. Bei allen Portalen meldet Frank sich jeweils nur für die angebotene Kurzmitgliedschaft an: „In der Zeit hat man den Umkreis eigentlich durch, länger lohnt sich für die paar Neuregistrierungen nicht“, meint Frank.

Die kostenlosen Portale kommen für Frank nicht in Frage: „Dort, wo es was kostet, weiß man: Die Person meint es ernst“, sagt er. Bei dem Profil sind die Bilder am wichtigsten: „Ohne Foto schreibt man ja niemanden an. Wenigstens das Bild muss passen, blind anschreiben bringt rein gar nichts“, sagt er gerade heraus. „Viele denken nicht nach bei den Fotos“, und weiter: „Wenn man von der Natur nicht besonders gesegnet ist, sollte man sich bei der Partnersuche vorteilhaft darstellen“. Er selbst weiß bestens, wie das funktioniert: Ein gutes Porträt, eines mit seinem Hund oder aus dem Urlaub, womöglich noch eines im Smoking: „Tierlieb, ein aktiver Typ, der sich zu kleiden weiß“, soll die Botschaft dahinter sein.

Wenn er auf ein interessantes Profil stößt, handelt er immer nach dem gleichem Muster: Ohne Zögern schreibt er sofort eine Nachricht. Das können auch mehrere an einem Abend sein: „Wie im richtigen Leben ist es eine Lotterie, die Richtige zu finden“, sagt er. Bei der Anfrage versendet er meist vorgefertige Anfragen, die Interesse bekunden, leicht variiert durch ein, zwei persönliche Anmerkungen zum Profil, beispielsweise zu Hobbies oder dem Beruf. „Aber es müssen konkrete Fragen sein, um eine Antwort zu provozieren“, erklärt er sein Vorgehen. Und er schreibt seinen Vornamen dazu, das betont er: „Man agiert da ja meistens anonym, ich finde, der Vorname ist auch ein Stück Ehrlichkeit.“ Mehr allerdings gibt er erst einmal nicht von sich preis. Über Google und Xing lässt sich sonst zu schnell zu viel herausfinden. Er selbst googele ja schließlich auch nach den Frauen, ehe er den Kontakt intensiviere. Für Frank, das räumt er selbst ein, sei Online-Dating ein „Massengeschäft“. Wenn man viele Nachrichten verschicke, steigere das aber die Wahrscheinlichkeit, überhaupt einmal eine Antwort zu bekommen. Und das treibt Frank an.

Wenn es passt, schlägt er bald ein Treffen vor. Telefonieren ist eher der Schritt danach. „Das Persönliche muss stimmen, das sollte man halt schnellstmöglich herausfinden, bevor man sich schriftlich auf jemanden fixiert“. Dabei wählt er meist einen Spaziergang mit seinem Hund in den Herrenhäuser Gärten. „Da sitzt man sich nicht befremdlich gegenüber und muss um Themen ringen“. Manchmal wählt er jedoch auch das Mövenpick am Kröpcke, eine vertraute Umgebung für ihn: „Ich kenne dort jede Bedienung und werde dort mit Küsschen begrüßt.“ Ob das allerdings beeindruckend oder befremdlich wirkt, vermag auch Frank nicht einzuschätzen.

Frank erzählt routiniert von seinen Erfahrungen, von der immer gleichen Suche, den Enttäuschungen. Und von den Vorteilen der Portale. Vielleicht ist auch diese Routine das Problem. Für langsame Herzensregungen, für ein ruhiges Finden, Suchen, Auf-sich-zukommen-lassen ist Frank online nicht der Typ. Doch in einem Moment des Innehaltens kommt ein überraschender Gedanke: „Häufig laufen da ja auch Problemfälle hin“, sagt Frank, „da muss ich ja offenbar auch zugehören, sonst würde ich da nicht schon solange sein.“ Derzeit lebt Frank in einer Beziehung. Seine Freundin hat er bei der Arbeit kennengelernt. Ob es die große Liebe ist, vermag er allerdings noch nicht zu sagen.

Liebe im Wandel der Zeit

Hannovers beliebteste Onlinesingles

Sie sind wenige unter Tausenden und trotzdem fallen sie eher auf als andere: Warum diese vier Hannoveraner am häufigsten in Online-Singlebörsen angeschrieben werden und warum sie trotzdem noch allein sind.

Philipp Seidel, 34, Sportreferent

Warum suchst du im Internet nach einem Partner?

Da ich mein Hobby zum Beruf gemacht habe, gehe ich vor allem darin auf und lerne neben der Arbeit kaum neue Leute kennen. Das macht es sehr schwierig die Eine zu finden.

Warum bist du beim Onlineflirten so erfolgreich?

Bin ich das? Vielleicht, weil ich gewisse Ansprüche habe und kein Mann für eine Nacht bin. Was nicht heißen soll, dass ich nicht gerne flirte. Ich gehe einfach locker mit Kontakten um, aber ich habe auch meine Ansprüche.

Und warum bist du trotzdem noch Single?

Nach 8 Jahren Beziehung hat man seine ganz eigene Vorstellung. Es muss einfach passen.


Sofia Melnik, 26, Athletic Trainerin

Warum suchst du im Internet nach einem Partner?

Mein Job hat höchste Priorität und neben den ganzen Geschäftsessen, Businessmeetings und Auslandsaufenthalten komme ich zeitlich nicht dazu mich so darum zu kümmern. Was für viele nicht nachvollziehbar ist, denn als Personal Trainerin habe ich es hauptsächlich mit Männern zu tun.

Warum bist du beim Onlineflirten so erfolgreich?

Das weiss ich selbst nicht. Ich bin einfach ich selbst.

Und warum bist du trotzdem noch Single?

Meine Karriere hat Priorität vor meinem Privatleben und ich habe leider noch niemanden getroffen, für den ich einen Kompromiss eingehen würde und Zeit investieren würde in die „Beziehung“. Ich genieße gerne meinen Freiraum.


Stefanie T., 35, Tanz- & Fitness Trainerin

 

Warum suchst du im Internet nach einem Partner?

Es gibt alles auf einen Blick. Charakterzüge und Vorlieben werden gleich kommuniziert.

Warum bist du beim Onlineflirten so erfolgreich?

Ich bin einfach offen und entspannt an die Sache herangegangen.

Und warum bist du trotzdem noch Single?

Weil der Richtige mit mir aufs Ganze gehen soll – bis jetzt hat das eben noch keiner getan.


Jan O., 41, Betriebswirt

Warum suchst du im Internet nach einem Partner?

Für mich dient das als eine Art Erweiterung des Portfolios – welcher Frau sieht man auf der Strasse schon an, dass sie Single ist?

Warum bist du beim Onlineflirten so erfolgreich?

Authentizität!

Und warum bist du trotzdem noch Single?
Das klingt so negativ! Zu zweit ist es natürlich spannender und gemeinsam wird vieles lebenswerter, aber Alleinsein ist okay.