Wie aus Singles Paare werden

Katrin und Tobias hätten ohne das Online-Dating wohl nie zueinander gefunden, bei Marc und Kim ist es einfach passiert: Zwei Paare erzählen, wie sie sich kennen- und lieben gelernt haben und denken darüber nach, was das Wichtigste bei der Partnersuche ist.

Liebe auf Rollen

Nie über mehr nachgedacht
Die Liebe kam so nebenbei. Denn Kim und Marc kennen sich schon sehr lange. Beide sind leidenschaftliche Inlineskater und fahren seit mehreren Jahren lang als Ordner bei „Skate by Night“ mit. Wenn sich fast jeden zweiten Mittwoch im Sommer Tausende Skater auf dem Klagesmarkt treffen, um über Hannovers Straßen durch die Nacht zu rollen, sorgen sie dafür, dass niemand auf der Strecke bleibt. Als Ordner trifft man sich aber regelmäßig auch außerhalb der Inlineskate-Nacht, bespricht Einsätze und plant Fahrten. Kontaktdaten wie Handynummern sind unter den Ordnern kein Geheimnis. „Die Szene ist nicht groß, da kennt jeder jeden“, sagt die 26-jährige Kim.
Auch mit dem 38-jährigen Marc hatte sie damals öfter schon ein paar Worte gewechselt, fand ihn sympathisch, aber über mehr hatte sie nie nachgedacht. Und dann kam dieser Abend.
Die Liebe ließ sich Zeit
Marc wusste nichts Rechtes mit seinem Feierabend anzufangen, und da kam ihm Kim in den Sinn, die nette junge Frau mit dem blonden Pferdeschwanz, die er eigentlich gar nicht so richtig kannte. Einen Versuch ist es wert, dachte er und schrieb ihr eine Nachricht. Vielleicht hatte sie ja Zeit und Lust, mit ihm ein Bier trinken zu gehen und ein bisschen zu plaudern. Kim hatte einen schlechten Tag hinter sich, als die Nachricht auf ihrem Handy aufblinkte. Ein bisschen Ablenkung kam ihr da gerade recht.
Sie trafen sich schließlich auf einen Cocktail. Wo, das haben beide längst vergessen. Denn obwohl der Abend für beide nett war, dauerte es lange, bis sich die ersten Gefühle einstellten.
Skaten - die größte Verbindung
„Wir haben uns öfter getroffen, aber bis wir ein Paar waren, vergingen noch drei oder vier Monate“, sagt Marc. Das Skaten, ihr gemeinsames Hobby, ist ihre größte Verbindung. „Es gibt viele aus der Szene, die sich über das Skaten kennengelernt haben“, sagt Kim. Aber ein Muss sei das nicht. Sie kenne auch viele aus dem Inlineskate-Club, deren Partner sich ungern die Rollen unter die Füße schnallt. „Zum Anfeuern sind die Freundinnen und Freunde bei der Skate-by-Night allerdings meist dabei“, sagt sie.
Das passiert einfach
Kim und Marc sind der Ansicht, dass man einen Partner nicht suchen kann. „Das passiert einfach“, sagt Kim. „Wenn man gezielt sucht, dann steigert man sich bloß in etwas hinein, weil man glaubt, es muss klappen. Und am Ende ist man nur umso mehr enttäuscht“, ergänzt Marc. Er rät Singles deshalb, die Sache mit dem Dating ganz entspannt zu sehen. Und sich vielleicht dort umzuschauen, wo man gern ist. Denn gemeinsame Hobbys machen es leichter, jemanden kennenzulernen, der auch zu einem passt.
Von Kim etwa wusste er zuerst bloß, dass sie aus Bremen kommt, gern skatet und zwölf Jahre jünger ist als er. Doch erst im Laufe der Zeit fand er heraus, dass sie ihn gut motivieren kann. „Wenn ich schlechte Tage habe, sagt sie immer zu mir, ich soll mich nicht so hängen lassen. Und das funktioniert.“ Kim dagegen hat Marc als verantwortungsbewussten und zuverlässigen Menschen kennen und lieben gelernt. „Mein Exfreund hat mich auch mal zwei Stunden wegen irgendwas warten lassen. Das würde Marc nie tun.“ Und schon gar nicht, wenn sie zur „Skate by Night“ wollen.

Liebe am Bildschirm

Die Frischkäse-Frau

Als humorvollen Chaoten, der sich schnell für etwas begeistern lässt und auf der Shoppingtour nicht nur die Tüten tragen will, beschrieb sich Tobias selbst, als er sich vor knapp vier Jahren bei der Online-Partnerbörse „Hannover-Singles“ anmeldete. In der Welt des virtuellen Flirtens kannte sich der heute 34-Jährige gut aus, schon seine Exfreundin hatte er über das Netzwerk kennengelernt. Doch dieses Mal war etwas anders.
Da war diese Frau. Mirée81 nannte sie sich, wie die Frischkäsemarke. Blonde Haare, fröhliches Lächeln, ein kluger Spruch in dem Feld „Über mich“. Sie gefiel ihm sofort, doch wie sollte er sie kennenlernen? Ein Blick auf ihr Profil verriet, dass auch sie die Gratis-Variante des Flirtportals gewählt hatte und ihm somit ebenfalls keine Chatnachricht schicken konnte.

Onlinedate, Hochzeit, Kind
„Da habe ich eben alles auf eine Karte gesetzt, 30 Euro für den Premium-Zugang investiert und ihr eine Nachricht geschrieben“, sagt Tobias. Und gewartet. Kurze Zeit später blinkte sein Posteingang – eine Nachricht von Mirée81. Sein Herz machte einen Satz vor Erleichterung.
Das war am 12. August 2011, erinnern sich Tobias und Katrin noch genau. Katrin, die sich im Chat Mirée81 nannte, ist mittlerweile Tobias‘ Frau. Beide leben in einem schmucken Einfamilienhaus in Sarstedt und erwarten bald ihr erstes Kind.
Ohne Internet hätten wir uns nie getroffen
Einen Partner über das Internet zu suchen, damit hatten beide nie ein Problem. „Ich war schon zu Studienzeiten auf solchen Portalen angemeldet, einfach nur, um neue Leute kennenzulernen“, sagt Katrin. Tobias war damals der einzige Single in seinem Freundeskreis und empfand es als schwierig, im Alltag neue Kontakte zu knüpfen. „Ohne das Internet hätte ich Katrin wohl auch nie getroffen, denn wir hielten uns nie an den gleichen Orten auf, hatten einen unterschiedlichen Musikgeschmack und andere Hobbys.“
Auch die 34-jährige Katrin sieht im Online-Dating mehr Vorteile als Nachteile. „In der Disco ist das Aussehen der entscheidende Faktor, denn mehr erfährt man auf den ersten Blick vom anderen ja nicht“, sagt sie. In der Partnerbörse dagegen könne man durch das Profil schon vor dem ersten Kontakt einschätzen, ob jemand zu einem passe. „Außerdem traut man sich im Netz eher, jemanden anzuschreiben, auch wenn man einen Korb kassieren kann. Im richtigen Leben ist die Hemmung größer.“
Aufgewacht, weil die Wange am Handy klebte
Ein paar Zweifel beschlichen Tobias auch, als er Katrin alias Mirée81 antwortete. Doch er musste nicht lange warten, ihr Interesse war geweckt und schon blinkte sein Postfach wieder. Auf die ersten zaghaften Chatnachrichten folgten weitere, später stiegen Tobias und Katrin auf WhatsApp um und eine Woche später war es soweit: Jetzt wollten sie sich auch im echten Leben kennenlernen. „Ich war nervös und habe mich sogar noch ein paarmal umgezogen“, beschreibt Tobias. „Und dann hatte auch noch der Bus von der List in die Stadt Verspätung.“ Katrin stand währenddessen vor dem Hauptbahnhof „unter’m Schwanz“ und sah immer wieder auf die Uhr. „Ich war schon fast soweit, dass ich einfach wieder gehen wollte, aber dann kam schon die Nachricht, dass er später kommt.“
Sie hatten gerade einen Platz im Bistro Hugo’s im Ernst-August-Carrée gefunden und ein lockeres Gespräch angefangen, da passierte die nächste Panne. Eine Kellnerin schüttete Katrin versehentlich Bier über die Lederjacke. Doch das Missgeschick ruinierte das Date nicht. „Im Gegenteil, weil wir beide darüber lachen mussten, war endlich das Eis gebrochen“, sagt Tobias. Danach bemerkten sie kaum, wie die Zeit verging und es war schon lange dunkel, als Katrin sich auf den Heimweg machte. Doch selbst dann mochten sie sich noch nicht verabschieden. „Wir chatteten, bis ich zu Hause war und am nächsten Morgen wachte ich auf, weil meine Wange am Handydisplay klebte“, erzählt Katrin lachend.
Keine Zeit für ewiges Hin und Her
Beiden war schnell klar, dass diese Romanze etwas Festes werden kann. Schon ein halbes Jahr später zog Tobias mit in Katrins Wohnung in Sarstedt, drei Jahre später gaben sie sich das Ja-Wort – am 12. August 2014, ihrem Jahrestag. „Wir haben die gleichen Ziele, wollen Familie und ein gemeinsames Leben“, sagt Tobias. „Für ein ewiges Hin und Her in der Liebe hat man mit Anfang 30 keine Zeit mehr.“

Liebe mit Schubs

Aus Versehen verliebt
Schon wieder Valentinstag! Auf verliebte Pärchen und rosarote Stimmung hatte Vanessa nun wirklich keine Lust. Zum Spaß hatte sie sich zwar vor ein paar Monaten bei der Online-Börse OkCupid angemeldet, aber konkret auf der Suche nach einer Partnerin war die 22-Jährige nicht. Sie loggte sich an diesem für Verliebte angeblich wichtigen Sonnabend auch nur ein, um zu sehen, ob sie Post von Selina hatte. Die 18-Jährige hatte sie vor zwei Monaten angeschrieben und seitdem hatte sich eine Chatfreundschaft zwischen ihnen entwickelt.
Und tatsächlich, über dem Briefchensymbol hing eine kleine 1. „Na, auch keine Lust auf Valentinstag?“ stand in der Nachricht. Vanessa musste grinsen. Noch eine Gemeinsamkeit. Beide beschlossen, den Abend zusammen zu verbringen und sich über turtelnde Paare lustig zu machen. Sie ahnten nicht, dass es ihr erstes Date werden würde.
Keine hat sich getraut
Nachdem sie die Nacht im Pancho, im Dublin Inn und schließlich in der DAX-Bierbörse durchgefeiert hatten, merken beide, dass da mehr war als nur freundschaftliche Gefühle. „Eigentlich hatte jede von uns zu der Zeit schon darüber nachgedacht, was wäre wenn. Aber keine hat sich getraut, das Thema anzusprechen“, sagt Vanessa. Sie trafen sich jedes Wochenende, doch erst am 5. April wurden sie offiziell zum Paar erklärt – von Vanessas Freunden. „Wir saßen zusammen und auf einmal sagte jemand: ,Wer ist dafür, dass Selina und Vanessa jetzt zusammen sind?‘ Und alle Hände gingen hoch“, erzählt Vanessa.
Nicht gesucht, aber gefunden
Viel zusammen lachen zu können empfindet Selina als das Schönste an ihrer Beziehung. Auch sie hat nicht direkt nach einer Freundin gesucht. „Sowas muss sich einfach ergeben.“ Eine Prüfung kommt auf ihre noch junge Beziehung allerdings noch zu: Im Herbst zieht Selina nach Hamburg, um eine Ausbildung zur Tourismuskauffrau zu machen. Beide sind aber zuversichtlich, dass ihre Liebe auch die Entfernung übersteht. „Ich werde versuchen, dass ich mein Praktikum in Hamburg machen kann“, sagt Vanessa. „Dann sind wir zumindest für einige Zeit wieder in der gleichen Stadt.“ Sie beginnt bald eine Ausbildung im Tourismusmanagement. Wieder eine Gemeinsamkeit.